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Fessenheim

Badische Zeitung vom Montag, 26. April 2004

"Die Sicherheit der Menschen muss vorgehen"


Kundgebung für Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim zog viele Menschen nach Breisach / Ziel: Ökostrom Vorrang geben

Bildunterschrift
Rund 500 Atomkraftgegner kamen zu der Breisacher Kundgebung gegen das Atomkraftwerk in Fessenheim. 

FOTO: EHRLACHER-DÖRFLER

BREISACH (ue). Der grenzüberschreitende Protest gegen das in jüngster Zeit durch Störfälle immer wieder in die Schlagzeilen geratene elsässische Atomkraftwerk Fessenheim wird lauter. An einem Aktionstag am vergangenen Samstag beteiligten sich nach Polizeiangaben in Breisach rund 500 Personen. Auftakt war eine morgendliche Kundgebung nebst einem Zug durch die Stadt. Ziel war schließlich Fessenheim selbst. 

Das Treffen im Elsass war außerdem Auftakt der französischen "Tour de France für den Atomausstieg", die 14 Tage lang durch das ganze Land rollen soll. "Wenn wir unseren Zielen näher kommen wollen", sagte Frank Baum vom BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein als Moderator in der Münsterstadt, "müssen wir uns stärker organisieren und mehr in Erscheinung treten."

Letzteres haben die regionalen Umweltschutzgruppen am Wochenende in der Tat wörtlich genommen. Um auf die Bedrohung durch das immer maroder werdende Atomkraftwerk aufmerksam zu machen und für dessen Stilllegung zu plädieren, hatten sich verschiedene Gruppen in die Münsterstadt aufgemacht,, die meisten von ihnen per Rad.

Auf dem Hof des Martin-Schongauer-Gymnasiums wurde überaus deutlich, dass ein breiterer und aktiverer Widerstand als bisher ansteht, weil das Atomkraftwerk in zunehmendem Maße Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein gefährde. Das Atomkraftwerk, für das die französische Electricité de France (EDF) und die deutsche Gesellschaft Energie Baden-Württemberg (EnBW) Verantwortung tragen, sei wie jedes andere Atomkraftwerk eine "unkalkulierbare Gefahrenquelle".

Zu den Rednern gehörte Ursula Sladek, von den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), bundesweit als "Stromrebellen" bekannt. Denn Schönauer Bürger haben ihr Stromnetz gekauft und betreiben es ohne Atomstrom. Sladek prangerte an, wirtschaftliche Überlegungen stünden an der Spitze, gehe es darum, Atomkraft zu erzeugen. Es liege an einer breiten Bevölkerungsschicht, in alternative Energiequellen und Ökostrom zu investieren und dafür zu sorgen, dass diese akzeptiert würden. Durch die Liberalisierung des Strommarktes könnten Stromkunden selbst dafür Sorge tragen, dass sie den "Stromfürsten" nicht mehr untertan sein müssten. Die Unternehmen würden einlullen und verpacken, "wenn wir nicht aufpassen, fallen wir nämlich auf diese Strategien herein".

"Die Bewegung gegen den Strom macht Spaß", sagte auch Eva Stegen (Freiburger AKW-Gegner) vieldeutig. Jean-Jacques Rettig der französischen Gruppe Comité pour la Sauvegarde de Fessenheim (CSFR) sprach von der hohen Gewerbesteuer, die das Atomkraftwerk der Kommune Fessenheim beschere, ohne mit nur einem Cent haften zu müssen. Es sei aus Profitgründen nicht zu erwarten, dass für die Abstellung des Schrottreaktors Unterstützung geleistet werde. "Die Sicherheit der Menschen muss jedoch vorgehen", erklärte Rettig, "und zwar aller Menschen von West, Ost, Nord und Süd".

Dass die Angst vor einem GAU die Bürger bewegt, machte die große Resonanz am Samstag klar. Nicht nur die angereisten Umweltschutzgruppen bestimmten das Bild, auch viele Breisacher aller Altersgruppen und Bewohner umliegender Gemeinden waren gekommen, um ihrem Protest und ihrer Furcht Ausdruck zu verleihen. Einige trugen Spruchbänder, andere große Tafeln oder Stoffbanner, die das sofortige Abschalten des Meilers forderten. Die Breisacher Jazz-Combo "Mahadö" sorgte für die musikalische Gestaltung, bevor die Demonstranten nach Fessenheim zogen. 

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